Lang genug habe ich nun die Beine versucht still zu halten. Meine dreiwöchige Saisonpause geht daher zu Ende und es beginnt ein neues Trainingsjahr. Zum Wiedereinstieg entschied ich mich bewusst noch mal für ein Outdoor-Aktiv-Wochenende. Schon länger möchte ich gern in den Alpen wandern. In diesem Jahr sollte dieses Vorhaben nun endlich realisiert werden, zusammen mit meinem Läuferkollegen Patrick Zwicker. Wir haben uns deshalb ein Wochenende rausgesucht und freigehalten. Dem Plan stand damit nichts mehr im Wege – eigentlich. Doch unsere geplante mehrtägige Tour um Oberstdorf mussten wir am Vorabend aufgrund des angesagten Dauerregens absagen. Wer mich kennt weiß sicherlich, dass ich recht wenig von Wettervorhersagen halte, doch in diesem Fall war die Datenlage der Meteorologen unanfechtbar. Unser gemeinsames Aktiv-Wochenende fand dennoch statt und war rückblickend ein absolutes Erlebnis. Da sich aus relativ spontanen Ideen ein grandioses Programm entwickelte, möchte ich euch einen kleinen Einblick geben.

Zunächst ging es für uns am Freitag morgen in die nördlichen Vogesen nach Schirmeck. Mit der Outdoorapp „komoot“ hatten wir uns eine Wanderroute mit 22 Tageskilometern ausgesucht. Vor uns lagen mehr als 700 Höhenmeter. Was die Tour zu bieten hatte, war uns nicht bewusst und daher ließen wir uns überraschen. Schon auf den ersten Kilometern zeigten sich an Waldlichtungen tolle Aussichten auf die umliegende Landschaft. Die höchsten Erhebungen lagen bei ca. 1000m und genau da ging es für uns hin. Auf kleinen Trailpfaden erkundeten wir die französischen Wälder.

IMG_1436
Auf dem Donon mit dem Merkur-Tempel

Ein erstes Highlight des Wochenendes war der „Gipfel“ des Donon mit 1009m. Im Elsass wird dieser Berg sogar als heilig bezeichnet. Seit 1869 befindet sich auf dem Gipfel der Merkur-Tempel und symbolisiert diese Kultstätte. Über einen gefühlt historischen und steinigen Pfad ging es dann wieder Richtung Tal. Dieser zweite Teil unserer Tour führte durch kleine Ortschaften und an Gebirgsbächen vorbei zurück zum Startpunkt am Bahnhof in Schirmeck.

Spontan (wie Läufer nun mal sind) führte unsere nächste Etappe nach Colmar. Die Sorge um ein Bett wurde dank Airbnb schnell Geschichte. Ein gastfeundlicher Franzose empfing uns kurz nach unserer Ankunft mit frischem Kaffee. Schon vor einigen Jahren war ich auf der Durchreise im Elsass und hatte noch ein tolles Bild vor meinem inneren Auge. Die selbsternannte Hauptstadt der elsässischen Weine zeigte sich bei sommerlichen Temperaturen mit einem mediterranen Flair. Auf dem Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, waren gemütliche Gondeln und erinnerten sofort an eine bekannte italienische Stadt. Bunte Fachwerkhäuser und eine enorme Blumenfülle stellten zudem für so manchen Studenten eine unbekannte Reizüberflutung dar. Für meinen grünen Daumen sicherlich undenkbar. 😉 Nachdem wir ein hübsches Restaurant direkt am Wasser gefunden hatten, gab es traditionell Elsässer Flammenkuchen zum Abendbrot.

IMG_1495
Ein Sonnenuntergang in Colmar

Am nächsten Tag führte unser Wochenendausflug in die Hochvogesen. Als Kontrast zum Vortag blieb uns die Sonne fern und unsere Tour startete auf einer unbewaldeten Hochebene. Spektakuläre Aussichten auf die umgebenen Hügel- und Bergketten boten sich vom dritthöchsten Berg in den Vogesen – dem Hohneck. Auf 1369m schauten wir in wolkenverhangene Täler. Von hier schlängelte sich ein kleiner Pfad mit viel Geröll und Wurzeln hinab auf 921m. Höhenmeter sammeln war also nie einfacher.

IMG_1608.JPG
Blick vom Hohneck

Fast schon untypisch, erwartete uns erst auf dem zweiten Teil unserer Route der Aufstieg. Hier lag ein erlebnisreicher und sicherlich nicht leichter Weg vor uns. Ebenfalls auf kleinen Pfaden ging es an Geländern zur Sicherung an Steilhängen hinauf. Der Regen der Nacht machte die Steine rutschig und die Konzentration sowie Aufmerksamkeit war gefragt. Da wir genau nach solchen Routen gesucht hatten, waren wir positiv überrascht was uns hier in den Vogesen begegnete. Am frühen Nachmittag endete unsere etwas kürzere Tour nach 13km, da das Wetter umschlagen sollte. So entschlossen wir uns die Vogesen zu verlassen und die nächste Etappe unseres Wochenendes anzugehen.

IMG_1566
Tolle Aussicht bei noch trockenem Wetter

Dem Regen entkommen und in der Sonne gelandet. Kaum eine Stunde später parkten wir in Straßburg – auf der Suche nach einem guten Espresso versteht sich. Viele Trainingslager hat es gebraucht bis mir Patrick am Wochenende mitteilte, seinen Gaumen an wahren Genuss gewöhnt zu haben. Daher erkundeten wir ein wenig die Altstadt mit dem „Petit France“. Ein wenig wie Colmar zeichnet auch diese Stadt eine enorme Blumenfülle aus. Alle Brücken und viele Häuser sind daher mit farbenprächtigen Topfpflanzen geschmückt. Bei unserem kurzen Stopp schauten wir uns auf der Altstadtinsel oder „Grand-Ile“ um. Der Stadtkern, welcher von Wasserkänalen umschlossen wird, zählt zu den UNESCO-Weltkulturerben. Mit einem guten Espresso endete unser zweiter erlebnisreicher Tag in den Gassen der französischen Großstadt.

Am Sonntag stand dann mal wieder ein neues erstes Mal an. Im Pfälzerwald ging es für uns auf eine 12km lange Trail-Running Runde. Nach einem 3km langen schmalen Anstieg durch die Weinberge und Wälder erreichten wir den Orensfels. Im Vergleich zu den Vortagen sicherlich nur ein kleiner Hügel, allerdings hatten wir an diesem morgen den Nebel hinter oder besser unter uns gelassen. Bei strahlendem Sonnenschein mit Blick auf die Wolken und einzelne Baumkronen bot sich ein nächstes unerwartetes Highlight.

IMG_1644
Erfolgreich den Orensfels im Pfälzerwald erreicht

Nach einer kurzen Pause ging unsere Route weiter zur Burgruine Neuscharfeneck. Langsam stieg der Nebel aus dem Tal auf und wir hatten wie schon so oft an diesem Wochenende einen atemberaubenden Blick über die Landschaft. Von hier aus führte unser Laufweg wieder allmählich hinab ins Tal. Im nächstgelegen Weingut fanden wir uns nach unserer Premiere im Trailrunning bei erfrischendem Traubensaft aus eigener Ernte uns leckerem Zwiebelkuchen wieder. Da habe selbst ich auf den eigentlich obligatorischen Espresso verzichtet.

Abschluss unseres mehr-als-aktiv Wochenendes stellte Speyer dar. Gut gestärkt nach unseren 500 Höhenmetern im Pfälzerwald machten wir auf unserer Rückreise einen letzten Stopp. Am Kaiserdom zu Speyer gab es gleich einen doppelten Espresso. Rückblickend kann man fast sagen, die schlechte Wetterprognose für die Alpen hat dieses Wochenende erst möglich gemacht. Viele spontane Einfälle konnten daher ungezwungen in die Tat umgesetzt werden und machten in der Summe ein erlebnisreiches Wochenende. Im nachfolgenden habe ich euch die die Tagestouren in den Vogesen zur Verfügung gestellt. Falls ihr euch also selbst ein Bild machen möchtet, könnt damit unseren Spuren folgen. Ich bin auch Feedback gespannt.

Anlagen:

 

Advertisements